Zusammenfassung und Fazit


 

In Nürnberg wird man unweigerlich mit der Frage konfrontiert, ob Körber und Körper tatsächlich zwei verschiedene Familiennamen sind oder nur zwei Varianten desselben Namens.

Lassen wir zunächst einmal die Tafelhof-Gruppe beiseite.

Meine anderen fünf Gruppen lassen alle erkennen, dass die Kirchenbuch-führer keine Probleme damit hatten, „Körber“ in „Körper“ oder „Körper“ in „Körber“ umzuwandeln. Sie waren offenkundig bereit, beide Formen als gleichwertige Varianten zu sehen.

Die Michael-Paul-Gruppe kann man wohl am leichtesten abhandeln, da die P-Schreibung auf eine kleine Zahl von Einträgen begrenzt ist. Ging sie nur auf eine Entscheidung des Pfarrers zurück oder auf einen Wunsch von Seiten der Eltern der Kinder? Die Frage muss offenbleiben.

Bei der Gostenhof-Gruppe, der Anton-Lorenz-Gruppe und vermutlich auch bei der Steinbühl-Gruppe liegt es nahe zu vermuten, dass sich darin auch eine Entscheidung auf Seiten der Namensträger verbirgt. Vielleicht kann man irgendwann einmal nachprüfen, ob auch bei eigenhändiger Namensschreibung dieser Leute der gleiche Wandel zu beobachten ist.

Erkennt man bei diesen drei Gruppen ein Bestreben von Körber zu Körper zu gelangen, so trat in der Achatius-Gruppe der gegenteilige Fall ein. Ich kann nicht glauben, dass das ein reines Kirchenbuch-Phänomen war. Irgendwie müssen die Namensträger dahinterstecken.

 

Die einzige meiner sechs Gruppen, bei der man die P-Schreibung als originär betrachten kann, ist meiner Meinung nach die Tafelhof-Gruppe, die größte von allen.

Hier glaube ich, guten Grund zu haben, die anfängliche Schreibung „Körber“ als Fehlschreibung zu werten.

Wenn man folglich davon ausgeht, dass Georg und sein Sohn Hans schon mit diesem Namen nach Gostenhof kamen, stellt sich die Frage, von welcher Gruppe von Körper/Cörper-Familien sie abzweigen. Darauf kann ich zwar keine Antwort geben. Am nächsten läge es aber, eine Verbindung nach Thüringen zu vermuten, wo es ein altes Vorkommen des Namens gibt.

Bei der Tafelhof-Gruppe stellt sich das Bild insofern uneinheitlich dar, als es dort die beiden Schreibungen „Cörper“ und „Körper“ gibt. Weniger klar, als ich es sonst beobachtet habe, zeigt sich auch hier die generelle Tendenz, vor 1800 „Cörper“ zu bevorzugen und danach immer mehr zu „Körper“ überzugehen.

Darin wirkt sich ein tiefgreifender Wandel im Zeitgeist aus, der letztlich auf die Französische Revolution zurückgeht, wenn man nicht gar die amerikanische als letzte Ursache ansieht. Das alte Reich ging da zu Ende, eine neue Zeit brach an. Napoleon krempelte Europa um. Der Deutsche Bund entstand.

„Cörper“ wurde offenbar zunehmend als altmodisch empfunden, „Körper“ empfand man als moderner. Dieser gleiche Wandel schlug ja auch auf die Rechtschreibung durch.

 

Zum Schluss will ich noch den Blick darauf lenken, dass einige Mitglieder der Tafelhof-Gruppe eine etwas herausgehobene Stellung errangen.

Für einen Handlanger oder Tagelöhner mag es nach etwas Besonderem geklungen haben, wenn jemand Stadt- und Spital-Amtsdachdecker oder Almosenmeister war.

Vielleicht lässt sich so erklären, weshalb einige Mitglieder der Körber-Familien danach strebten, ihren Namen dem der höherstehenden Personen anzugleichen.

 

Der „Fall Nürnberg“ hat mir gezeigt, dass ich die bisher vertretene Meinung, die Namen mit der B-Schreibung seien strikt von denen der P-Schreibung zu trennen, so nicht aufrechterhalten kann. In Nürnberg wird diese Regel durchbrochen. So einfach, wie es mir bis dahin schien, liegt der Fall nicht.

Es kommt darauf an, von welcher Gegend man spricht.

Für das linksrheinische Gebiet würde ich meine bisherige Einschätzung weiterhin als gültig ansehen. Die Namen Cörper/Körper und Körber/Körwer stehen isoliert nebeneinander. Sie sind genealogisch getrennt.

Im Fall von Nürnberg kann man dagegen allenfalls die Tafelhof-Gruppe mit einem gewissen Recht als genealogisch getrennt von den Körber-Familien bezeichnen. Jedenfalls lässt sich die gegenteilige Hypothese nicht mit ausreichender Sicherheit untermauern.

Bei den anderen Gruppen hat man den Eindruck, dass weder die Kirchenbuchführer noch die Namensträger selbst ein Gespür dafür hatten, hier zwei unterschiedliche Familiennamen vor sich zu haben. Sie sahen darin lediglich zwei Schreibvarianten, die vielleicht unterschiedliches Ansehen besaßen.